Was ein Oldtimer-Gutachten je nach Art kostet
Für ein Oldtimer-Gutachten gibt es nicht den einen Preis. Ein Wertgutachten ist ein Schriftstück, in dem ein Sachverständiger festhält, in welchem Zustand Ihr Auto ist und was es heute wert ist. Je nach Anlass gibt es drei Varianten mit eigenem Umfang und eigenem Preis.
Die drei Varianten kosten zwischen 80 und 500 Euro. Die Kurzbewertung liegt bei etwa 90 bis 150 Euro, das vollständige Gutachten bei etwa 300 bis 500 Euro. Das amtliche Gutachten für das H-Kennzeichen kostet etwa 80 bis 200 Euro, gegebenenfalls kommen etwa 110 Euro für die Hauptuntersuchung dazu.
| Gutachten | Kosten | Wofür Sie es brauchen |
|---|---|---|
| Kurzbewertung mit Zustandsnote | 90 bis 150 Euro | Wertentwicklung festhalten, Kauf oder Verkauf, Versicherung |
| Vollständiges Gutachten | 300 bis 500 Euro | Genaue Bewertung eines teuren Sammlerfahrzeugs, der Preis hängt von Seltenheit, Historie und Restaurierungen ab |
| Amtliches Gutachten für das H-Kennzeichen | 80 bis 200 Euro | Nachweis, dass Ihr Auto ein Oldtimer ist, mit Untersuchung im Umfang der Hauptuntersuchung |
Ein Gutachten ist zeitlich unbegrenzt gültig. Fachleute raten aber, es alle zwei bis drei Jahre aktualisieren zu lassen, damit die Wertentwicklung stimmt.
Was die Zustandsnote über den Wert sagt
Gutachter beurteilen den Zustand eines Oldtimers mit einer Schulnote von 1 bis 5. Die Note stammt aus dem Bewertungsschema von Classic Data, einem Sachverständigen für klassische Fahrzeuge. Sie spielt für den Marktwert eine entscheidende Rolle.
- Note 1 heißt makellos: Selbst bei intensiver Begutachtung sind keine Gebrauchsspuren oder Mängel feststellbar.
- Note 2 heißt guter Zustand: Das Auto ist technisch und optisch einwandfrei und hat nur leichte Gebrauchsspuren.
- Note 3 heißt gebrauchter Zustand: Das Auto ist fahrbereit und verkehrssicher, hat keine größeren Mängel und keine Durchrostungen.
- Note 4 heißt verbrauchter Zustand: Das Auto ist nur eingeschränkt fahrbereit, und für die Hauptuntersuchung sind meist sofort Arbeiten nötig.
- Note 5 heißt restaurierungsbedürftig: Das Auto ist nicht fahrbereit, und fast alle Baugruppen brauchen umfangreiche Arbeiten.
Ihr Auto braucht keine bestimmte Note, um als historisches Fahrzeug zu gelten. Maßstab ist grundsätzlich der Auslieferungszustand des Herstellers.
Welches Gutachten das H-Kennzeichen verlangt
Für das H-Kennzeichen brauchen Sie ein amtliches Gutachten. Es muss ein amtlich anerkannter Sachverständiger, Prüfer oder Prüfingenieur erstellen, zum Beispiel in einer Prüfstelle wie TÜV Rheinland. Er untersucht Ihr Auto dabei im Umfang einer Hauptuntersuchung. Nach der Prüfung kann die zuständige Behörde das H-Kennzeichen vergeben.
Als Oldtimer gilt ein Auto, wenn seine erste Zulassung zum Zeitpunkt der Begutachtung mindestens 30 Jahre zurückliegt. Es muss außerdem weitestgehend dem Originalzustand entsprechen und in einem guten Erhaltungszustand sein. Und es muss der Pflege historischer Fahrzeugtechnik dienen, so umschreibt es die Verordnung.
Das H-Kennzeichen bringt eine feste Jahressteuer. Sie beträgt 191,73 Euro für Autos und andere Fahrzeuge außer Motorrädern und 46,02 Euro für Motorräder.
Wann Käufer und Versicherer ein Oldtimer-Gutachten wollen
Nach Angaben der Allianz brauchen Sie für eine Oldtimer-Versicherung ein aktuelles Gutachten. Ihr Versicherer berechnet damit den Wert Ihres Autos und die Versicherungssumme. Andere Versicherer können andere Nachweise verlangen, fragen Sie deshalb vorab nach.
Bei Kauf und Verkauf hält das Gutachten alle Merkmale fest, die den Wert bestimmen. Laut Allianz schafft es damit eine neutrale Grundlage für die Preisverhandlung.
Was bei der Leasingrückgabe zählt
Bei der Rückgabe eines Leasingautos streiten Leasinggeber und Leasingnehmer am häufigsten über den Minderwert. Das ist der Betrag, um den Schäden den Wert des Autos tatsächlich senken. Was normale und was übermäßige Abnutzung ist, dafür gibt es nach Angaben des ADAC keine objektiven Kriterien. Auch Sachverständige können unterschiedlicher Meinung sein.
Ihr Leasingauto muss bei der Rückgabe nicht neuwertig sein. Es genügt ein Gebrauchszustand, der zu Alter und Laufzeit passt. Ausgeglichen wird nur der tatsächliche Minderwert, nicht jeder geschätzte Reparaturaufwand. Kostet die Reparatur einer Beule 1.000 Euro, liegt der Minderwert nach dem Beispiel des ADAC erheblich darunter. Auf den Minderwert steht dem Leasinggeber keine Mehrwertsteuer zu.
So läuft die Begutachtung Ihres Oldtimers ab
- Klären Sie den Anlass: Versicherung, Kauf oder Verkauf, Wertentwicklung oder H-Kennzeichen. Davon hängt ab, welche der drei Gutachtenarten Sie brauchen.
- Wählen Sie einen anerkannten Sachverständigen für klassische Fahrzeuge und vereinbaren Sie den Preis vor dem Auftrag schriftlich.
- Sammeln Sie Unterlagen: Belege zu Originalität und Historie, etwa eine Auslieferungsbescheinigung, Nachweise über Wartung und Restaurierung, zum Beispiel Fotos, sowie aktuelle und frühere Zulassungsdokumente.
- Bringen Sie das Auto zur Begutachtung vor Ort. Online lässt sich das Gutachten nicht ausstellen.
- Rechnen Sie bei TÜV Rheinland für ein vollständiges Gutachten mit etwa 5 Tagen, für eine Kurzbewertung mit etwa 2 Tagen.
- Legen Sie das Gutachten für das H-Kennzeichen der zuständigen Behörde vor.
- Lassen Sie das Gutachten alle zwei bis drei Jahre aktualisieren, damit der Wert stimmt.
Was Gutachten allgemein kosten und wer die Rechnung zahlt, lesen Sie bei Gutachterkosten im Überblick.
Häufige Fragen
Was kostet ein Oldtimer-Wertgutachten?
Ein Oldtimer-Wertgutachten kostet je nach Umfang zwischen 80 und 500 Euro. Eine Kurzbewertung mit Zustandsnote kostet etwa 90 bis 150 Euro, ein vollständiges Gutachten etwa 300 bis 500 Euro. Diese Preise nennt die Allianz in ihrem Oldtimer-Ratgeber, einzelne Gutachter können davon abweichen.
Ab welchem Alter gilt ein Auto als Oldtimer?
Ein Auto gilt als Oldtimer, wenn seine erste Zulassung zum Zeitpunkt der Begutachtung mindestens 30 Jahre zurückliegt. Es muss außerdem weitestgehend dem Originalzustand entsprechen und in einem guten Erhaltungszustand sein. Das legt die Fahrzeug-Zulassungsverordnung fest.
Was bedeutet die Zustandsnote bei einem Oldtimer?
Die Zustandsnote ist eine Schulnote von 1 bis 5 für den Zustand eines Oldtimers. Note 1 steht für makellos, Note 5 für restaurierungsbedürftig und nicht fahrbereit. Das Schema stammt von Classic Data und gilt laut Allianz als Standard auf dem Markt.
Darf ich zur Leasingrückgabe einen eigenen Gutachter einschalten?
Ob Sie ein Leasingauto vor der Rückgabe von einem eigenen Gutachter prüfen lassen dürfen, steht im Leasingvertrag. Meist ist vereinbart, dass der Leasinggeber den Gutachter bestimmt. Der ADAC rät, den Zustand vor der Rückgabe mit Fotos und einem Zeugen zu dokumentieren.
Muss jeder Oldtimer ein H-Kennzeichen bekommen?
Nein, Sie können das H-Kennzeichen für einen Oldtimer beantragen, müssen es aber nicht. Dafür brauchen Sie ein amtliches Gutachten, und die zuständige Behörde vergibt das Kennzeichen nach der Prüfung. Es bringt eine feste Kfz-Steuer von 191,73 Euro im Jahr für ein Auto.
