Welche Art von Gutachten Sie beauftragen
Die passende Gutachtenart hängt davon ab, wofür Sie das Ergebnis brauchen. Bei einem Unfallschaden geht es meist um die Reparaturkosten und den Wert des Wagens. Bei einer Immobilie geht es um ihren Wert, etwa bei einer Erbschaft, einer Scheidung oder einem Verkauf. Bei einem Bauschaden geht es um die Ursache und um die Kosten, ihn zu beheben. Sind Sie unsicher, welche Art zu Ihrer Lage passt, fragen Sie den Gutachter im ersten Gespräch danach und lassen Sie sich die Antwort schriftlich bestätigen.
Wichtiger als die Art ist die Tiefe. Eine kurze schriftliche Einschätzung reicht für eine erste Orientierung, etwa wenn Sie nur ungefähr wissen wollen, was eine Reparatur kostet. Soll das Ergebnis vor Gericht, bei einer Versicherung oder beim Finanzamt bestehen, brauchen Sie ein vollständiges Gutachten mit eigener Besichtigung, einer klaren Begründung und einer Trennung von Befund und Bewertung. Woran Sie ein solches Gutachten erkennen, lesen Sie unter woran Sie ein brauchbares Gutachten erkennen.
Welche Qualifikation der Gutachter braucht
Für die meisten Alltagsfragen reicht ein Gutachter mit nachweisbarer Erfahrung in genau Ihrem Thema völlig aus. Erst für bestimmte Zwecke verlangt das Gesetz mehr: eine geprüfte Qualifikation durch eine Kammer, meist die Industrie- und Handelskammer oder die Handwerkskammer, oder durch eine unabhängige Prüfstelle.
Die beiden letzten Zahlen gelten nur für Gutachter, die ein Gericht beauftragt. Bei einem eigenen Auftrag handeln Sie den Preis frei aus, sie zeigen aber, mit welchen Größenordnungen Gerichte rechnen.
Eine geprüfte Qualifikation lohnt sich besonders in zwei Fällen: wenn Sie mit Widerspruch der Gegenseite rechnen und wenn eine Behörde ausdrücklich danach fragt. Was die Titel im Einzelnen bedeuten und wie Sie sie prüfen, lesen Sie unter Gutachter, Sachverständiger und öffentlich bestellt im Vergleich.
Was in den Auftrag an den Gutachter gehört
Ein Auftrag, der nur mündlich vereinbart wurde, ist im Streitfall wenig wert. Halten Sie deshalb vor dem ersten Termin fest, was genau geklärt werden soll und was das Ergebnis leisten muss.
- Die genaue Frage, die das Gutachten beantworten soll, in einem Satz und nicht als allgemeiner Auftrag zur Prüfung.
- Ob eine eigene Besichtigung vor Ort dazugehört und wie viele Termine vorgesehen sind.
- Wie viele Fotos, Bauteile oder Schäden erfasst werden, damit später niemand über den Umfang streitet.
- Ob eine schriftliche Ausarbeitung geschuldet ist oder nur eine mündliche Einschätzung.
- Der Preis oder mindestens der Stundensatz, dazu eine Obergrenze, ab der der Gutachter Sie warnen muss.
- Eine Frist, bis wann das Ergebnis vorliegen soll.
Fehlt diese Abgrenzung, entscheidet später ein Gericht, was Sie eigentlich bestellt haben, und das selten in Ihrem Sinn. Fehlt eine Preisabrede, gilt der übliche Preis, und was üblich ist, lässt sich im Streit schwer beweisen.
Was ein guter Gutachter vor der Zusage prüft
Ein seriöser Gutachter prüft vor der Zusage, ob Ihr Auftrag zu seinem Fachgebiet passt und ob er die Frist einhalten kann. Bei bestellten Gutachtern schreiben die Kammern das ausdrücklich vor. Liegt der Auftrag nur zum Teil in seinem Fachgebiet, muss er Ihnen das sagen.
Danach bestätigt er Ihnen den Auftrag und die Unterlagen, die er von Ihnen bekommen hat. Verzögert sich die Arbeit oder wird sie teurer als geplant, muss er Sie informieren. Lag Ihrem Auftrag ein Kostenanschlag zugrunde und wird er wesentlich überschritten, dürfen Sie kündigen, und der Gutachter bekommt dann nur einen Teil des Honorars für die bereits geleistete Arbeit.
Verlangen Sie kein bestimmtes Ergebnis. Bestellte Gutachter sollen den Auftrag ablehnen, wenn das Ergebnis verfälscht werden soll, und vorsichtig sein, wenn jemand ein Ergebnis zusichern lassen oder Unterlagen weglassen will. Ein Gutachten nach Wunsch hilft Ihnen vor Gericht nicht.
Woran Sie einen unklaren Auftrag erkennen
Steht die genaue Frage schriftlich fest, die das Gutachten beantworten soll?
Ist auch der Preis oder mindestens der Stundensatz schriftlich vereinbart?
Guter Stand. Klären Sie nur noch die Frist und ob eine Besichtigung dazugehört.
Holen Sie das nach, bevor der Gutachter beginnt. Ohne Preisabrede gilt der übliche Preis, und der ist im Streit schwer zu beweisen.
Schreiben Sie die Frage in einem Satz auf und lassen Sie sie sich vom Gutachter schriftlich bestätigen, bevor er anfängt.
Je genauer der Auftrag, desto weniger Raum bleibt später für Streit darüber, was der Gutachter liefern sollte.
Häufige Fragen
Muss ich einen Gutachter schriftlich beauftragen?
Nötig ist das nicht, sinnvoll aber schon. Eine E-Mail mit der genauen Frage, dem Preis und der Frist genügt als Beleg und schützt Sie vor Streit über den Umfang des Gutachtens.
Woher weiß ich, welche Gutachtenart ich brauche?
Das hängt vom Zweck ab. Für die eigene Orientierung reicht oft eine kurze Einschätzung. Für ein Gericht, eine Versicherung oder das Finanzamt brauchen Sie ein vollständiges Gutachten mit eigener Besichtigung und nachvollziehbarer Begründung.
Brauche ich für ein Gutachten immer einen öffentlich bestellten Gutachter?
Nein, für die meisten Fälle genügt ein Gutachter mit passender Erfahrung. Eine geprüfte Qualifikation lohnt sich vor allem, wenn Sie Widerspruch erwarten oder eine Behörde sie ausdrücklich verlangt.
Was passiert, wenn ein Gutachter teurer wird als angekündigt?
Der Gutachter muss Sie warnen, sobald sich eine deutliche Überschreitung abzeichnet. Lag dem Auftrag ein Kostenanschlag zugrunde und wird er wesentlich überschritten, dürfen Sie kündigen und zahlen nur für die bereits geleistete Arbeit.
Was gehört unbedingt in einen Gutachterauftrag?
Die genaue Frage, der Umfang der Besichtigung, der Preis oder Stundensatz und eine Frist. Ohne diese Angaben lässt sich später kaum beweisen, was Sie bestellt haben.
